Da stehen die Beiden, hinten auf der Rampe, rauchen und plaudern ungezwungen miteinander. Ein kleiner Scherz erhellt die Gesichter. Respektvoll gehen Sie miteinander um. Wenn einem etwas nicht gefällt, äußert er das, fragt nach. Sie unterstützen sich gegenseitig bei der Arbeit und auch sonst. – Ein Jahr ist es jetzt her, da sah die Situation ganz anders aus.

Konflikte zwischen Mitarbeiter*innen sind nie schön, vor allem wenn sie eskalieren. Zumal in meiner kleinen Firma, wir sind nur fünf Mitarbeiter. Es gab zu dieser Zeit nicht nur Streit zwischen den beiden. Eine Zusammenarbeit war nicht möglich, ich musste die Arbeitsgebiete trennen. Es folgten Krankschreibungen und erhöhte Fehlerquoten. Vor allem aber war es ein mieses Arbeitsklima für die ganze Firma. Einzelgespräche und gemeinsame Gespräche brachten keine Besserung.  – Was sollte ich tun? – Einen entlassen. Welchen? Und wer sollte die Lücke so schnell ersetzen (Fachkräftemangel). Beide Mitarbeiter*innen entlassen, noch schlimmer. Ich war verzweifelt, emotional angegriffen und war auch schon in den Konflikt hineingezogen worden. Ich konnte das Problem nicht allein lösen.

In meiner Not habe ich mich zu einem außergewöhnlichen Schritt entschlossen. Ich habe meine Frau beauftragt einen moderierten Konfliktklärungsdialog zu führen. In den vorbereitenden Gesprächen mit meiner Frau wurde schnell klar, wie hocheskalativ der Konflikt schon war. Deshalb haben wir gemeinsam beschlossen, den Klärungsdialog mit allen Mitarbeiter*innen zu führen, mich natürlich eingeschlossen, und das Thema weiter zu fassen. Somit stellte ich nicht den Konflikt in den Mittelpunkt, sondern die Herausforderung, vor der ich stand: „Wie kann es uns gelingen, dass wir als ein Team gut zusammenarbeiten?“. Das Konzept sah u.a. so aus, dass wir vier Klärungsdialoge zu jeweils drei Stunden im Abstand von ein- zwei Woche durchführen wollten.

Ich stellte das Konzept meinen Mitarbeiter*innen vor, auch quasi als letzte Chance. Sie erklärten sich bereit, trotz der klaren Bedenken: Die Frau des Chefs soll das machen.

So konnten wir starten.

Jeder kam lange und ausreichend zu Wort, konnte seine Bedenken und Befürchtungen äußern. Es war sehr emotional. Alles einfühlsam und professionell geführt von der Moderatorin (meiner Frau). Das gegenseitige Vertrauen wuchs mit jedem Termin. Am Ende fühlten sich alle abgeholt und erleichtert.

Das Ergebnis lesen Sie im ersten Absatz und ist auch auf alle anderen Mitarbeiter*innen übertragbar. Wir sind ein echt gutes Team geworden, rechtzeitig vor dem Ausbruch der Coronakrise. Alle gehen mit Freude zur Arbeit. Es war wirtschaftlich das beste Jahr der Firmengeschichte unabhängig von der Krise (unsere Kunden sind Hotels, Altenheime und Krankenhäuser).

Danke Katrin!

Christian Sickora

Geschäftsführer, Marlikon Objektausstattung UG & Co. KG

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